Warum Flotten-Daten fast nie Spec-Daten sind (und wie wir damit umgehen)
Zwischen dem Datenblatt eines Trailers und dem, was die Telematik am Freitagnachmittag meldet, liegen oft 8 Prozent Effizienz. Über die Methodik hinter der Bereinigung.
Seit fast zwanzig Jahren stehen wir mit Ingo neben Prüfständen, unter Chassis und vor CFD-Monitoren. In praktisch jedem Kundengespräch kommt irgendwann derselbe Satz: “Das Spec-Blatt vom Hersteller und der echte Verbrauch — das sind zwei verschiedene Fahrzeuge.”
Das ist kein Vorwurf an den Hersteller. Es liegt in der Natur der Sache — und genau dort setzen wir mit Fleetbench an. Hier ist, was wir dagegen tun, ohne dass irgendwer in einer Excel-Hölle versinken muss.
Die drei typischen Lücken
Wenn wir bei einer Neukundin die ersten 60 Tage Telematikdaten analysieren, finden wir fast immer dieselben drei Muster:
1. Payload-Annahmen, die nicht zum Alltag passen
VECTO rechnet mit Standard-Nutzlasten pro Missionsprofil. Longhaul = 19,3 t. Regional = 12,9 t. Das ist die Simulation, nicht Ihr Dienstag. Unsere Auswertungen zeigen: über alle Flotten hinweg liegt die mediane reale Nutzlast bei 14,1 t, mit einer Standardabweichung von 5,2 t. Wer mit 19,3 t rechnet, überschätzt seinen realen CO₂-Ausstoß systematisch.
2. Ausrollstrecken, die nicht im Profil stehen
Der Fahrerstil macht bis zu 7 % Unterschied im Kraftstoffverbrauch — darüber reden alle. Worüber niemand redet: das Streckenprofil selbst. Ein Simulationsprofil mit 30 % Autobahnanteil trifft Ihre Realität mit 58 % Autobahnanteil nicht.
3. Leerfahrten
Leerfahrten tauchen in Spec-Sheets nicht auf, aber bis zu 22 % Ihrer Kilometer finden sie statt. Eine Simulation, die sie ignoriert, ist für Investitionsentscheidungen nutzlos.
Wie wir damit in Fleetbench umgehen
Unsere kurze Version: Wir bereinigen nicht, wir annotieren.
Heißt: Wenn Sie Ihre Telematik-Rohdaten hochladen, versuchen wir nicht, sie an ein Standardprofil anzupassen. Stattdessen bauen wir daraus ein flottenspezifisches Profil, das neben die VECTO-Standards tritt.
Upload: raw_trips.csv → 1.247.892 events, 8 Fahrzeuge, 90 Tage
Ergebnis: 3 abgeleitete Profile:
- "Dortmund-Hamburg-Pendel" (38% der Kilometer)
- "Regional-Stückgut NRW" (47%)
- "Rückführung Leer" (15%)
Für jedes Profil liefern wir dann die Unsicherheit mit — weil ein Profil aus 47 Fahrten eine andere Aussagekraft hat als eines aus 9.
Was Sie selbst prüfen können
Auch ohne Tool lassen sich die drei Lücken mit relativ wenig Aufwand sichtbar machen:
- Vergleichen Sie die mittlere Payload aus Ihrem TMS mit der VECTO-Annahme Ihres Mission Profils. Abweichung > 15 %? Dann ist Ihre Hersteller-Deklaration deutlich von Ihrer Realität entfernt.
- Prüfen Sie den Anteil Leerfahrten für die letzten 90 Tage. Alles über 20 % bedeutet: Ihre Effizienzrechnung muss Leerfahrten explizit mitführen, sonst rechnen Sie konsequent falsch.
- Schauen Sie in die Routenverteilung. Wenn Ihr häufigstes Fahrprofil weniger als 40 % der Jahreskilometer ausmacht, ist ein einzelnes VECTO-Ergebnis ungeeignet.
Der unspektakuläre Mittelweg
Ich bin kein Freund des Perfektionismus, der in der Branche manchmal auftritt. Sie brauchen keine Messlabor-Präzision, um gute Investitionsentscheidungen zu treffen. Aber Sie brauchen ehrliche Profile und transparente Unsicherheit.
Das ist kein Produkt-Pitch. Das ist einfach gute Praxis — egal, mit welchem Tool Sie arbeiten.